Blog

Antipoden vor dem Turm

Sechs „Antipoden“ aus verstärktem Styropor sind um den Turm der Ruine Grünenberg verteilt. Muss der Turm geschützt werden? Können Styropor-Wächter einen Turm schützen? Oder umhüllen sie ihn bloss, wie Styropor als Verpackungsmaterial Lautsprecher und andere sensible elektronische Geräte beim Transport umschliesst oder Häuser vor der Hitze oder der Kälte draussen schützt?

Antipoden sind Gegenfüssler, also etwa die BewohnerInnen Neuseelands, die auf einer Kinderzeichnung der Welt als Kugel mit den Füssen „gegen“ uns stehen. Warum sind die Uhlmann-Figuren Antipoden? Stehen sie gegen etwas? Vielleicht stehen sie gegen ausufernden Konsum in immer mehr Verpackungsmüll. Aber gleichzeitig nutzen sie das Styropor (oder ESP = expandiertes Polystyrol), das den Versand ungezählter Güter rund um den Globus erst möglich macht. Die Antipoden drücken mithin eine Dichotomie der Konsumgesellschaft aus, ein wenig wie Ying, das sich an Yang anschmiegt und doch der notwenige andere Pol davon ist. Meist sind die ESP-Verpackungen aber nicht geschwungen, sondern haben grade, symmetrische Formen, die den Uhlmann-Figuren ein wenig Strenge, Würde, Gravität verleihen.

Die Melchnau-Antipoden sind aber auch eine Form des Recyclings von Styropor.  Grundsätzlich kann ESP oder Sagex oder Swisspor auch wieder verkleinert und erneut zu Styropor-Platten verarbeitet oder als Kunststoff-Bestandteil genutzt werden. Nur: Weil die Platten so leicht, aber gleichzeitig so voluminös sind, ist ihr Transport aufwändig und teuer.

Und auch wenn sie nun fest und statisch rund um die Burgruine stehen und auf etwas zu warten scheinen: Als Kaufobjekte haben sie unten eine Platte mit Rädern. Die Gegen-Füssler sind darum auch Gegen-Roller. Die Grünenberg-Antipoden übrigens werden trotz ihrer Leichtigkeit nicht vom Winde verweht: Sie sind hinten mit Metall verstärkt.

Schreib hier Deine eigene Geschichte über die Antipoden: